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Unser Engel ist zurück. Dieses Mal ist er etwas weiter in seiner Ausbildung, muss aber immer noch viel lernen, um zu verstehen was verstanden werden muss.

Noch bin ich mit dem Cover und der Korrektur beschäftigt.

Dieses Mal sind es auch nicht ganz so viele Geschichten geworden, wie im ersten Buch. Doch dafür sind die Abenteuer länger.

 

 

 

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Ich habe meine Bücher als eBook bei Amazon.de veröffentlicht: Zu den eBooks!

Camino de Santiago IV

Es heißt, dass man auf dem Jakobsweg an viele Dinge denkt, an die man schon lange nicht mehr gedacht hat. Dinge über Gott und die Welt. Ja, das habe ich, denn wenn man unter Schmerzen läuft, dann kommen alte Gedanken automatisch hoch. Und wenn man so läuft, tief in sich gekehrt, dann … wird man diesen Gedanken nicht wirklich denken können. Etwas wird dich immer wieder aus diesen reißen. Es ist nicht der eigenartige Weg, der nicht mal im Ansatz mit einem deutschen Wanderweg zu vergleichen ist. Es ist nicht der Rucksack, der auf sonderbare Weise mittlerweile zu einem gehört, wie die Haare auf dem Kopf. Es ist nicht der Gedanke, ob man eine vernünftige Unterkunft bekommt. Es ist etwas ganz unscheinbares, ungefährlich Aussehendes. Etwas, was gesund sein soll. Doch dieses unscheinbare, ungefährliche hat mich fast um den Verstand gebracht. Meine Gedanken waren weit weg, in einer Welt, die ich fast vergessen hatte. Und dann das: Klick, klack, klick, klack … Walkingstöcke! Sie sorgen dafür, dass man die Haltung bewahrt, sagt man. An meiner Haltung musste ich wirklich hart arbeiten. Soweit ich weiß, gibt es extra Gumminoppen für diese Stöcke. Und doch hatte der überwiegende Teil der Pilger keine dabei oder keine Lust sie drauf zu stecken. Manchmal habe ich versucht meinen Schritt zu beschleunigen, damit ich von dem Klick, klack wegkomme. Doch das hat mich aus meinem Rhythmus gebracht und dafür gesorgt, dass ich mich bald irgendwo anlehnen oder zumindest etwas trinken musste. Dann hatte es mich wieder eingeholt, das Klick, klack. Dann bin ich einen Schritt zur Seite, damit mich die Pilger mit diesen Stöcken, die so unschuldig aussahen, für mich aber das Grauenvollste auf der gesamten Pilgerreise waren, überholen konnten. Leider hatte ich dann kurze Zeit später wieder neue Walkingstock-Pilger vor mir oder bald hinter mir. Ich möchte betonen, dass ich nicht die Pilgerstäbe meine. Die machen zwar auch Geräusche, aber andere. Nicht klick, klack, sondern eher ein gelegentliches klock. Dieser Stock wird nämlich anders aufgesetzt als die Walkingstöcke. Hiermit also eine riesen Bitte für alle, die vor haben den Jakobsweg zu gehen und auf diese Stöcke nicht verzichten möchten: Bitte, bitte, bitte … setzt die Gumminoppen auf, wenn ihr merkt, dass der Untergrund kein Waldboden ist! Nun, gelegentlich habe ich es aber geschafft mich von diesen Klick, klack zu befreien und dann waren sie wieder da, die Gedanken. Ich musste mit einem Mal an unsere Vorfahren denken. Nomaden! Was mussten die bloß gedacht haben, als sie immer wieder einen Fuß vor den anderen setzten, um immer wieder anzukommen. Zwischenzeitlich hatte ich immer wieder das Gefühl, das schaffst du nicht. Was mussten diese Menschen damals gedacht haben? Die mussten es schaffen, und wenn sie nicht weiter liefen, dann wurden sie einfach zurückgelassen, so, dass sie es dann tatsächlich nicht schafften. Ich bin leidenschaftliche Rollenspielerin im Fantasy und -mittelalterbereich. Und in meinen zahlreichen Geschichten habe ich meine Charaktere reisen lassen. Ich müsste eigentlich jede meiner Geschichten löschen lassen. Nicht einmal im entferntesten habe ich beschrieben, wie anstrengend das Reisen ist. Reisen … wir haben doch überhaupt kein Gefühl für das Reisen in der damaligen Zeit. Die Menschen, die auch schon im Mittelalter den Jakobsweg gegangen sind, die müssen das zehnfache an Qualen erlitten haben. Das fängt schon mit den Schuhen an. Habe ich schon erwähnt, dass Schuhe einer der wichtigsten Dinge sind? Ich selber, als großer Fan von mittelalterlichen Spielen und Märkten, habe selber einiges an Gewandung, so wie man sie damals getragen hat. Und wenn ich mit dieser Gewandung hätte laufen müssen, so wäre ich niemals im Leben angekommen. Das dünne Leder der Schnürschuhe hätte nur wenige Kilometer gehalten. Vor allem bei diesem Weg, der so unterschiedlich ist, wie es ein Weg nur sein kann. Mal ist der Untergrund steinig, mal glatt, mal rau, mal weich, weil Wiese auf ihn gewachsen ist. Und wenn ich dann auch noch die restliche Gewandung getragen hätte, dann wäre ich gewiss irgendwann gestolpert und somit irgendwo liegen geblieben und verhungert. Denn anders als heute gab es nicht alle paar Kilometer ein einladendes Café oder eine Unterkunft. Und trotzdem sind diese Menschen diesen Weg gelaufen. Leider sind sehr viele nicht angekommen, wie es ein Friedhof auf dem Weg nach Santiago bezeigt. An vielen Tafeln stehen die fast unzähligen Namen derer, die auf dem Jakobsweg ums Leben gekommen sind. Und ich laufe, gerade mal 20 – 25 Kilometer im Schnitt täglich und rege mich über Walkingstöcke auf … Dabei sollte ich doch froh darüber sein, dass meine Schuhe eine sehr gute Sohle haben, meine Kleidung für so eine Tour erfunden wurde und dass mich nur alle wenige Kilometer die Einheimischen mit einem freundlichen „Ola“ empfangen. Damals gab es keine Zwischenstationen in denen Menschen den Pilgern frisches Wasser und Obst anboten. Sie stehen einfach da, warten auf einen, so als ob sie schon immer dort auf dich gewartet haben. Sie sprechen kein Deutsch, doch in allen gängigen Sprachen haben sie ausgeschildert, dass man Wasser und Obst umsonst bekommt, sowie eine Umarmung, die dich trösten soll. All das gab es Jakobsweg … und ich rege mich über die Stöcke auf.

Fortsetzung folgt …

 

Welch ein Hundeleben

 

Ein sehr gelungenes und lesenswertes Buch, welches wirklich überrascht. Ich muss zugeben, dass ich, durch Presse und mangelhaften Erzählungen, gewisse Vorurteile gegenüber einigen Tierrassen hegte. Und das, obwohl ich sonst Hunde, besonders große Hunde, gerne mag. Die Autorin des Buches schafft es, eine Verbindung zu den beschriebenen Schicksalen aufzubauen. Man hat am Ende eine andere Betrachtungsweise. Zudem sind die Erzählungen spannend und absolut unterhaltsam. Was mir besonders gefällt ist, dass nichts von dem aus der Luft gegriffen ist. Alles ist absolut nachvollziehbar, da die Geschichten sehr bildlich beschrieben sind. Die Geschichten sind nicht zu lang und lassen sich dank einer deutlichen und nicht zu kleinen Schriftart sehr gut lesen. Die Fotos zu den einzelnen Geschichten bringen einem zusätzlich ein Stück näher an das Schicksal. Das Buch ist auf etwas dickerem, edleren Papier gedruckt worden, das dem Buch einen edlen Touch verleiht. Es eignet sich sehr gut als Geschenk für Jung und Alt und ist durch seinen günstigen Preis absolut empfehlenswert.

Nähere Informationen zu dem Buch gibt es hier

http://tierheimschicksale.jimdo.com/

Camino de Santiago III

Kurz vor unserem Ziel in Palas de Rei musste ich noch einmal daran denken, wie viel Glück wir doch bisher hatten, was die Zimmersuche anging. In großen Schlafsälen wollte ich nicht schlafen und so war unsere erste Frage, sobald wir eine Herberge erreicht hatten, nach einem privaten Zimmer. Diese gibt es nämlich in den privaten Herbergen, wenn man früh genug ist. Früh genug bedeutet, man sollte um 14 Uhr sein Etappenziel erreicht haben. Nun, einen Tag zuvor hatten wir das nicht. Ich glaube, dass wir so um halb vier in Portomarin angekommen waren und feststellen mussten; wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Nun, das mag hier so üblich sein. Auf meiner Pilgerreise habe ich etwas erlebt, was ich bisher nicht kannte. Wie schon bereits erwähnt, möchten die Spanier, dass es einem gut geht, dass man sich wohlfühlt. Und so kam es, dass die Dame, der die Herberge gehörte, einen Anruf machte. „Moment“, gab sie uns zu verstehen. Fünf Minuten später stand eine junge Frau mit einem breiten Lächeln im Türrahmen. Wir sollten ihr folgen, sie habe ein Doppelzimmer, erklärte sie uns mit Händen und Füßen. Vorsichtig fragte ich nach dem Preis. Ich erwartete schon einen Aufschlag und wurde wieder überrascht: 10 Euro pro Person. Was würde ich wohl zur Antwort bekommen, wenn wir hier in ein Dorf kommen würden, in dem gerade ein Event stattfindet. Ich stelle mir gerade vor, wie ich das Hotel betrete und man mir schon in der Tür sagt: „Ausgebucht“ irgendwie mag ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Hotelbesitzer den Telefonhörer in die Hand nehmen und mal eben die Konkurrenz anrufen würde. Wenn man Glück hat, dann bekommt man gesagt, wo sich vielleicht noch ein Hotel befindet. Und wieder stellte ich mir die Frage, in welcher Welt wir eigentlich leben. Ich glaube der überwiegende Teil der Menschen in Deutschland, sind Christen. Auch wenn viele sich dem Glauben abgewandt haben, so möchten sie doch „eigentlich“ gut sein. Hiermit möchte ich nicht sagen, dass Nichtchristen nicht auch gut sind. Ich habe dieses Beispiel erwähnt, weil ich nun mal nur den christlichen Glauben inhaltlich kenne. Also, man wurde so erzogen: „Behandle Menschen so, wie du auch behandelt werden möchtest.“ Aber warum tut das dann fast niemand? Warum interessieren wir uns nicht für die anderen Menschen? Ich meine, wir müssen uns doch nicht alle lieb haben und uns immer zu in die Arme fallen. Es sind die Kleinigkeiten in unserem Leben, die einem so viel geben können. In unserem Fall war es ein einfacher Anruf an jemanden, der zufällig ein paar Straßen weiter auch eine Herberge hat. In unserem Alltag kann es ein Lächeln sein, dass man einem anderen Menschen schenkt. Kleinigkeiten, wie einer älteren Person in den Bus helfen, sofern sie es denn möchte. Oder, wenn einem etwas hinfällt, dann tut es doch nicht wirklich weh, wenn man hilft, es aufzuheben. Doch wir haben verlernt, wie es ist, hinzusehen. Wir sind so mit uns beschäftigt, dass wir gar nicht sehen, dass jemand versucht, den Bus zu bekommen und dieser aber gerade die Türen schließt. Wir wissen, der Nächste kommt erst in einer Stunde und die Person verliert durch diese Unachtsamkeit eine Stunde seiner wertvollen Zeit auf Erden. Und doch fragen wir den Fahrer nicht, ob er vielleicht einen Moment warten kann. Warum ich ausgerechnet auf dem Jakobsweg darüber nachdenken musste … Natürlich hab ich diese Defizite vorher gewusst: Jeder denkt nur an sich selbst, doch wenn man dann plötzlich das genaue Gegenteil erlebt, dann ist das etwas völlig anderes. Als wir dann am Nachmittag Palas de Rei erreicht hatten, waren wir völlig fertig. Ich weiß nicht, wie sehr ich meine Füße auf dieser Etappe bedauert hatte. Ich meine mich zu erinnern mindestens drei Dutzend Mal „Meine armen Füße“ gesagt zu haben. Wir hatten keinerlei Lust uns in dieser Stadt nach einer Pension oder einer Herberge, um zu sehen. Wir wollten nur unsere Schuhe ausziehen und eine Dusche nehmen dürfen. Ein Hotel ist, im Vergleich zu einer Herberge sehr teuer. Auch wenn man bei 40 Euro für zwei Personen nicht meckern kann. Dafür hat man dann sein eigenes Bad und einen Fernseher. Diesen Luxus haben wir gar nicht ausnutzen können, da wir kein spanisch verstanden. Ich weiß nicht, ob es wirklich eine Art Zauber ist, den man auf dem Jakobsweg erlebt. Man denkt wirklich, man geht keinen Schritt freiwillig, sobald man angekommen ist. Doch man tut es. Denn die Füße und der Körper erholen sich nach einer Dusche und nach einem zwanzig minütigem Ausruhen. Unfassbar! Man will dann einfach noch mal raus gehen. Nicht weil man Hunger hat. Das hat man übrigens gar nicht so viel, was mich sehr gewundert hat. Nein, man will einfach nur raus, auch wenn Palas de Rei nicht gerade die Vorzeigestadt ist. Zudem war ausgerechnet an diesem Tag eine Art Autorally und man hörte bis in die Stadt lautstarkes aufheulen der Motoren. Als wir uns dann in einem kleinem Café, gleich gegenüber einer Zwischenstation dieser Rallye, gesetzt haben, mussten wir schmunzeln: Sogar ein Fiat war aufgemotzt worden. In grellen Farben rollte er lautstark über die Straße. Ein bisschen hat mich das an Herbie erinnert. Nach einem Kaffee con leche (Milchkaffee) für einen Euro, haben wir uns auf die Suche nach einer Apotheke gemacht. Die erkennt man in Spanien übrigens an dem grünen Kreuz. Vor uns kaufte gerade ein Einheimischer ein. Zufällig kannten wir das Mittelchen. Ein Antibiotikum, einfach so. Kein Rezept, keine Nachfragen. Bitteschön und auf Wiedersehen. Nun gut, ich glaube, da vertraue ich doch lieber meinem Arzt. Als der Mann bezahlte, wurde ich echt stutzig. Nicht mal vier Euro! Was bitteschön ist denn da drin? Schnell wurde ich abgelenkt, denn wir waren dran. Die Apothekerin konnte kein Englisch und auch kein Deutsch. Doch Fenistil kannte sie. Thomas hatte einen fürchterlichen Sonnenbrand. Tiefrot hatte er sich in seinen Nacken gefressen und musste höllisch wehtun. Zudem waren seine Blasen offen und bluteten. Er brauchte neues Pflaster. Und als ob das nicht genug wäre, tat ihm jeder Muskel weh und er holte sich zudem Volteren. All dies kannte die Apothekerin, denn sie heißen dort genauso wie bei uns und das Beste ist; es ist absolut identisch mit dem was wir hier kaufen können. Beim Bezahlen fragten wir uns dann, wie es sein kann, dass wir in Deutschland einen Haufen Geld dafür bezahlen müssen, wenn man das Zeug in Spanien für einen Bruchteil bekommt. Nicht mal 6 Euro hat alles zusammen gekostet. Während wir wieder in Richtung Hotel gingen, musste ich mit einem Mal daran denken, warum es Thomas getroffen hat, und nicht mich. Ich bekomme sonst IMMER einen Sonnenbrand. Nein, so kann man das nicht sagen, man muss das anders sehen. Ich werde sonst IMMER von der Sonne regelrecht brutal verbrannt. Doch während meiner Zeit in Spanien habe ich nicht mal ansatzweise einen Sonnenbrand bekommen und das, obwohl die Sonne durchgehend schien und das, obwohl wir sogar durch die Mittagssonne gelaufen sind. Und das Unglaublichste war, dass ich mir nicht mal Sonnenschutz aufgetragen habe. DAS habe ich noch nie erlebt. Meine Haut schreit regelrecht nach Sonnenbrand. Ganz blass, dafür aber mit unzähligen Sommersprossen übersehen. Doch auf den Camino wurde ich sogar braun, was ich sonst sehr selten und nur nach intensiven Stunden im Solarium wurde. Am frühen Abend aßen wir dann unser Pilgermenü. Vorspeise, eine Hauptmahlzeit, einen Nachtisch und eine Flasche Wein oder Wasser für neun Euro. Es schmeckt einem besonders gut, wenn man den ganzen Tag solchen Bedingungen ausgesetzt ist: 25, 27 Kilometer 1997 verbrannte Kalorien! Guten Appetit! Fortsetzung folgt …

Am nächsten Morgen liefen wir wieder ohne Frühstück los. Als ich einen Tag zuvor aus den Wanderschuhen geschlüpft bin, hätte ich schwören können nie wieder in diese hinein zu passen. Doch seltsamerweise passte ich wieder rein und was noch seltsamer war, dass ich wirklich bequem darin laufen konnte und dass, obwohl ich den Rucksack aufhatte. Dieser Teil des Weges soll besonders anstrengend sein, laut Reiseführer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich weiß, dass es anstrengend wird, die Sache für mich einfacher ist, als wenn ich nichts davon weiß bzw. man sagt, es ist nicht so schwer. So bin ich seelisch darauf eingestellt. So war es auch an diesem Tag. Erst auf und wieder ab. Mal an Feldern vorbei, dann an der Straße. Mal war der Weg hell, mal dunkel, weil wir durch märchenhafte Wälder pilgerten. Wir trafen auf Bauernhöfe. Und immer wenn wir Einheimische sahen, wurden wir mit einem „Ola“ oder einem „Buenes Dias“ begrüßt. Einige riefen uns auf ein „Buen Camino“ zu. Ich habe mir vorher überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie die Menschen in Spanien sein könnten. Wie sollten sie schon sein? Normal halt … Doch das Leben in Spanien kann man nicht einmal im Ansatz mit den Menschen hier in Deutschland vergleichen. Angefangen von der Landwirtschaft. Der Weg führt, wie schon erwähnt, an zahlreichen Bauernhöfen vorbei. Auf denen wohnen zum Teil Generationen unter einem Dach. Entweder gibt es in Spanien kaum Seniorenheime oder ich habe keine gesehen. Selbst wenn es so etwas wie Seniorenheime gibt in Spanien, so brauchen die meisten Senioren so etwas nicht. Sie leben in der Familie, auf dem Hof und arbeiten noch. Hier sah ich sie säen, dort das Feld umgraben. Aus ihren wettergegerbten Gesichtern konnte man entnehmen, dass sie bei jedem Wetter draußen waren. Und was mich am allermeisten wunderte war, dass sie unglaublich ausgeglichen und zufrieden aussahen. Die Pilger wurden mit einem freundlichen Nicken begrüßt, dann wurde weiter gearbeitet. Auch die jüngeren Generationen legten eine Freundlichkeit an den Tag, dass ich einen Moment brauchte, um sie zu verstehen. Wenn hier einer so freundlich ist, so hab ich im Hinterkopf, der will irgendwas. Auch wenn das hier ein wenig unglaubwürdig klingt: das Einzige, das die Spanier am Camino von einem Pilger wollen ist, dass es ihm gut geht. Ich habe das so noch nie erlebt. Hier nutzt man jede Gelegenheit, Geld zu machen, aus. So etwas scheint es dort nicht zu geben. Natürlich möchten auch die Betreiber, die alle 5 bis 6 Kilometern einen Ausruhpunkt für die Pilger geschaffen haben, auch verdienen, das tun sie gewiss auch, aber die Preise sind durchaus annehmbar und man gibt wirklich sehr gerne etwas mehr. Es ist am Anfang ein eigenartiges Gefühl, irgendwo essen zu gehen, in diesem Fall Kaffee und Kuchen, und nicht den Eindruck zu haben, zu viel bezahlt zu haben. Ich glaube, jeder, der hin und wieder in ein Café´ geht und zwei Kaffees mit Kuchen und 2 Colas verdrückt, weiß, was ich meine: Man bezahlt heutzutage so viel dafür, dass man sich drei Mal überlegt, ob man jetzt wirklich einen Kuchen und einen Kaffee braucht. Während einer Tagesetappe braucht man das auf jeden Fall und man macht es auch wirklich gern. Da ich einen wirklich guten Tag hatte, an meinem zweiten Tag, ich wusste ja schließlich, dass es anstrengend wird, konnte ich mehr die Umgebung wahrnehmen. Auf dem Weg findet man die Unterschiede von Arm und Reich gleich nebeneinander, wie ich sie selten gesehen habe. Da sah man ein Anwesen, prächtig, elegant und atemberaubend, während nur wenige Meter weiter ein Grundstück zu sehen war, auf dem ein Haus stand, das derart alt und verwildert war, dass man befürchten musste, es würde bald zusammenbrechen. Doch ich wusste, dass diese alten und verfallenden Häusern, die übrigens fast alle noch bewohnt waren, selbst in den nächsten zwanzig Jahren noch da stehen würden. Irgendwie würden sie sich schon zu helfen wissen. Die Löcher auf den Dächern, die selbst ich, die kurzsichtig ist, sehen konnte, würde man flicken können. Und wieder musste ich an Deutschland und an unser Leben denken. Wenn bei uns mal was kaputt geht, dann wird unser Leben aus dem Gleichgewicht geworfen. Alles muss gleich repariert werden, denn ohne das leben, kann man ja nicht. Viele Menschen in Spanien leben ohne dem. An einem Fluss haben wir eine ältere Dame gesehen, die ihre Wäsche darin wäscht. Unfassbar! Wie alt mochte sie gewesen sein? 70 vielleicht? Sie hatte aufgesehen und ein „Buenes Dias“ gerufen. Auch scheint für die jüngere Generationen die moderne Technik nicht so wichtig zu sein. Immer wieder sehen wir große Becken an denen Frauen gemeinsam ihre Wäsche waschen. Während ich so vor mich hin watschelte, musste ich daran denken, wie es wäre mit meiner zahlreichen Wäsche, die meine Familie jede Woche produziert, an einen Fluss oder an einem Becken zu gehen, um sie dort zu waschen. Dann stellte ich mir auch vor, wie es wäre, wenn nicht gerade die Sonne scheint, und man durch den Regen stapfen müsste. Gehen diese Frauen auch bei Regen nach draußen um Wäsche zu waschen? Zum ersten Mal bedauerte ich, kein Wort spanisch zu können. Eigentlich braucht man auf dem Camino keine Sprache. Die Leute wissen, was du willst. Doch ich befürchtete, die Frage ob sie ihre Wäsche auch bei Regen waschen würden, würden sie so nicht verstehen … Fortsetzung folgt …

Rasch schlüpfe ich in die Turnschuhe und eile zu einem Termin. Kaum vorstellbar, dass so etwas wie Zeit, für eine kleine Weile in meinem Leben überhaupt keine Rolle gespielt hat. Je mehr ich mich wieder in meinem Alltag einfüge, desto eher wird mir bewusst, wie sehr diese Welt sich von der, in der die Zeit so unwichtig ist, unterscheidet. Alles, was einem lieb und teuer ist, braucht man nicht. Das Einzige, was wichtig ist, ist man selbst. Denn wenn man mit sich selbst nicht im Klaren ist, wird der Tag anstrengender als er ohnehin schon. Ich möchte über einen Weg berichten, den schon viele Menschen gegangen sind. Einen Weg, über dem man schon so viele Bücher geschrieben hat, weil jeder der ihn geht, etwas bekommen hat, das er als so wunderbar empfindet, dass man anderen Menschen davon berichten möchte. Doch wenn ich meine Zeit auf dem Camino in wenigen Worten packen müsste, so würde ich scheitern. Auch kann man das, was man erlebt nicht Pauschlaisieren, denn für jeden ist es anders. Merkwürdig ist auch, dass einem das Schöne nicht gleich auffällt. Wir scheinen so blind und taub für die Schönheit des Lebens zu sein, dass wir an ihr vorbeigehen und erst wenn wir fast am Ziel sind und einen Blick zurück auf den Weg werfen, sehen, wie einzigartig und strahlend die Welt um uns ist. Ich habe so viele unterschiedliche Motivationshintergründe gehört, warum man den Camino geht. Warum seilt sich ein Mensch für eine Weile seines Lebens ab, und gibt sich solch harten Bedingungen hin? Genau das ging mir durch den Kopf, als mir nach den ersten 12 Kilometern die Füße brannten und ich zwei Dutzend Pilger vor mir die nächste Steigung erklimmen sah. Zuhause würde man das Auto nehmen, wenn man weiß, dass der Weg beschwerlich ist. Doch all diese Leute laufen freiwillig und lächeln sogar noch dabei. Mir war nicht nach lächeln, auch wenn ich mir das alles selbst ausgesucht habe. Ich hätte mich über die Sonne freuen sollen, die sich in Deutschland schon einige Wochen nicht zeigen wollte und sich hier in Spanien in voller Pracht, jedoch nicht zu heiß, präsentierte. Am Liebsten hätte ich mich wie ein kleines Kind an den Wegesrand auf den Boden gesetzt und eine Runde geheult. WARUM hab ich nur gesagt, dass ich den Jakobsweg gehe? Ich muss doch wahnsinnig gewesen sein! In einem Anflug von Übermut habe ich einst feierlich gesagt, dass wenn ich das bekomme, was ich mir so sehr wünsche, dann werde ich den Jakobsweg gehen. Nun, gesagt ist gesagt! Daher habe ich mich, gemeinsam mit meinem Mann aufgemacht. Wie dieser sich fühlte, nahm ich eigentlich gar nicht wahr. ICH hatte Schmerzen. ICH hatte Hunger. Mir war zu heiß, und mein Nacken war so sehr verkrampft, dass ich wahrlich alles andere um mich herum ausgeblendet hatte. Nach der ersten Pause schien das Leben, das so ausgeschüttelt worden war, wieder zurückzukehren. Konnte ein einfaches Brötchen so viel bewirken? Es war weder Butter, noch Salat, noch Ei oder sonstige Feinheiten, die man so gerne hier in Deutschland auf die Brötchen packt, darauf. Nur einige Scheiben Käse. Vielleicht war es aber auch nur der Augenblick der Ruhe, die man sich nach den ersten Kilometern eingestand.

Können Füße eigentlich größer werden? Mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt, als ich dann weiterlief. Irgendwie schienen mir meine Schuhe, die doch so perfekt saßen, nicht mehr zu passen. Mein kleiner Zeh drückte unsanft gegen das Leder. Wie weit musste ich doch gleich noch laufen? Und doch, egal ob der Zeh drückt, der Rucksack einem viel schwerer vorkommt, oder einem der Weg endlos vorkommt, man kommt irgendwann an sein Tagesziel. Und plötzlich fühlt man sich gar nicht mehr so hilflos, erst recht nicht, wenn man eine gute Unterkunft gefunden hat und sich die Schuhe ausziehen darf. Nach einer Dusche und wenigen Minuten ausruhen auf dem Bett, fühlt man sich eigenartig erholt. So, als wäre man gar nicht so weit gelaufen. Doch wenn man dann Treppen hinabsteigt, fällt es einem wieder ein. Ich habe Muskeln in meinem Körper gespürt, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren. Während meiner Tagesetappe hätte ich schwören können nicht einen zusätzlichen Meter freiwillig zu laufen. Um so erstaunter war ich, dass wir am Nachmittag noch ein wenig durch das winzige Städtchen zum Einkaufen gelaufen sind. Manchmal überrascht man sich wirklich selbst. Wie heißt es so schön? Geteiltes Leid ist halbes Leid. Nirgends sonst wo scheint man sich so mit anderen anzufreunden, mit ihnen reden als kenne man sie schon lange. Geht ihr mit anderen Essen, die ihr einen Tag vorher oder am selben Tag kennengelernt habt? Auf dem Camino ist das alles anders. Du scheinst die Menschen zu kennen, die du im Laufe deiner Etappe begegnest. Und wenn man sich dann abends wieder trifft, dann ist es selbstverständlich, dass man sich zusammensetzt und das Pilgermenü, das hier in Deutschland preisleitungstechnisch undenkbar wäre, zu genießen.

Fortsetzung folgt…

Nächste Lesung:

07. Juni 2013 um 20:00 Uhr

Fritz Gottermann – Str. 4

65527 Niedernhausen

Café Windlicht

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Zeitungsbericht vom Niedernhausener Anzeiger 23.03.2013 Breuerpresse

Nachdem die Niedernhausener Autorin Manuela Uhing einiges über ihr vorheriges Buch „Seelenwelt“ erzählt hatte, stellte sie ihr neues Buch “Aus dem Tagebuch eines Engels“ vor und begründete, warum sie gerade so ein Buch geschrieben habe. Nun, meinte sie, weil sie ein Wunder erlebt habe.Und begann danach, die Welt mit anderen Augen zu betrachten.Wunder,ob groß oder klein,würdenständig geschehen, ohne dass man es wirklich wahrnimmt oder gar zu schätzen wüsste. Ihr persönliches Wunder war, dass ihr Sohn, vor zwei Jahren mehr tot als lebendig, wieder gesund wurde. Nach der Geschichte „Aller Anfang ist schwer“ waren überraschte Gesichter der Zuhörer das Ergebnis.Erwartet hatten sie wohl spektakuläreWunder oder solche Geschehnisse. Doch ihre Geschichten seien nicht so, erklärte sie.Und bekam zur Antwort, wie gut Zuhörer sich dochmit dieser Geschichte identifizieren könnten.

Genau das wolle sie ja erreichen, schmunzelte sie. Bei der nächsten, der traurigen,aber ganz realen Geschichte „Es ist nicht leicht ein Engel zu sein“, wurde das Publikum sehr still. Eine gewisse Nachdenklichkeit und beim Leser Dankbarkeit für dasLeben empfinden zu lassen, das wolle sie mit ihrem Text erreichen, meinte Manuela Uhing. In der dritten Geschichte „Eine zweite Chance“ sprach sie besonders Familien an. Für alles habe man Zeit, lebe in den Tag hinein und habe immer weniger Raum für die Familie. Wachrütteln wolle sie für dieses eine Leben.Denn man weiß ja nie, was im nächsten Augenblick geschehen wird. Ein sehr lebenserfahrenes Publikum , fasste sie nach etwa einer Stunde zusammen, das ihre Gedanken, es gebe tatsächlich Wunder, nur bekräftigte. Einige hätten dasBuch zwei Mal gelesen, fügte sie hinzu und dabei wohlgemerkt, dassman es aufmerksamlesen sollte,um nicht viele Dinge zu übersehen. Die nächste Lesung von Manuela Uhing wird im Juni im Café Windlicht sein.Das Buch kann man in der Buchhandlung Sommer, auf dem Büchertisch der evangelischen Kirchengemeinde oder im Online-Shopwww.uhing.org erwerben.

EberhardHeyne

 

 

 

 

 

 

Es sind nur noch 15 Exemplare „Aus dem Tagebuch eines Engels“ von Manuela Uhing auf Lager. Wer sich noch ein Exemplar der ersten Auflage sichern möchte, sollte bald bestellen.  🙂

Heute hatte ich meiner erste Lesung „Aus dem Tagebuch eines Engels“ Ich hatte ein wirklich tolles Publikum!!!

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Dankeschön!

Frühjahrsputz und Platz für Neues!!!

Das Buch „Seelenwelt“ ist nun für 6,00 € im Shop zu erwerben. Mit Versand innerhalb Deutschlands kostet es dann 7,00 €.

Da ich in absehbarer Zeit eine zweite Auflage der Seelenwelt plane, sowie der zweite Teil des Romans bald erscheinen wird, verkaufe ich die Exemplare der ersten Auflage wesentlich günstiger.

Also zugreifen, solange der Vorrat reicht!

Nun ist mein Buch endlich im Shop erhältlich. Ein großes Dankeschön geht an die Druckerei, die das Buch noch vor dem Wochenende verschickt haben. Für meine Leser und Leserinnen außerhalb von Deutschland: Das Buch kann in einem Großbrief verschickt werden.

Für Österreich, Schweiz und Schweden würde der Versand dann 3,00 Euro kosten.

Buch: Aus dem Tagebuch eines Engels Anzahl Produkt an Lager

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Hilfe für einen Geist

So langsam hatte ich das Ganze satt!

Ich war ein Engel und sollte den Menschen helfen, doch nach der letzten Geschichte hatte ich nicht den Eindruck, überhaupt etwas ausgerichtet zu haben. Am liebsten hätte ich den Job einfach hingeschmissen. Doch wo hätte ich meine Kündigung hinschicken sollen? Da es offensichtlich auch keine Gewerkschaft gab, musste ich mich wohl meinem Schicksal beugen und das Beste daraus machen.

Das Schlagen eines Balls holte mich aus meinen Gedanken. Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Auch wenn ich das Reisen durch Raum und Zeit nun mittlerweile ein paar Mal hinter mir hatte, war es immer wieder seltsam wieder mitten im Leben zu stehen.

Der Raum, in dem ich aufwachte, war groß und fast dunkel. Nur ein paar Sonnenstrahlen stahlen sich durch die Ritzen der Jalousie. Nun hörte ich wieder den Ball. Neugierig ging ich in die hintere Ecke und sah einen Jungen, der immer wieder den Ball gegen die Wand schoss, um ihn dann wieder aufzufangen.

Die wenigen Sonnenstrahlen, die dem Raum Licht spendeten, überzeugten davon, dass draußen sehr schönes Wetter sein musste. Warum spielte der kleine Kerl denn im Haus? Ich betrachtete mir den Jungen und konnte keinerlei Einschränkungen sehen. Ich runzelte meine nicht vorhandene Stirn und beobachtete den kleinen Menschen weiter.

„Was glotzt du denn so?“, fragte er plötzlich, ohne den Ball aus den Augen zu lassen. Erschrocken fuhr ich herum. Stand da etwa noch jemand und schaute dem Jungen beim Spielen zu? Doch da war niemand. Ertappt räusperte ich mich. Schließlich war es ja eine Ewigkeit her, dass ich mit jemandem gesprochen hatte. „Ähm, ich habe mich nur gefragt, warum du nicht nach draußen gehst, um Fußball zu spielen. Ist doch bestimmt langweilig die ganze Zeit gegen die Wand zu schießen. Und für deine Eltern ist das auch nicht toll oder?“

Der Junge hielt inne und wollte gerade etwas sagen, als die Zimmertür aufging.

Oje, jetzt gibt’s bestimmt Ärger, dachte ich und stellte mich schon einmal auf ein Donnerwetter ein.

Doch die Frau, die nun im Türrahmen stand, sagte gar nichts. Mit leerem Blick kam sie hinein und setzte sich auf das Bett. Den Jungen sah sie gar nicht. Dann nahm sie einen der Teddys in den Arm und presste ihn an sich. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis sie dann wieder das Zimmer verlassen hatte. Der Teddy hatte nun ein fast nasses Fell. Nun verstand ich. „Wie lange ist es her?“, fragte ich flüsternd.

„Fast sieben Jahre!“, sagte er, nahm den Ball wieder auf und versetzte ihm einen Tritt, so dass er sein Spiel wieder begann.

Sieben Jahre? Das war doch nicht möglich? Niemand durfte so lange hier bleiben. Man erlaubte – wenn überhaupt – ein paar Stunden… aber sieben Jahre?

Der Junge hielt in seiner Bewegung inne und der Ball rollte irgendwo hin. „Ich konnte nicht gehen, weißt du…“, erzählte er plötzlich.

Ich muss sagen, dass ich mir das alles ganz anders vorgestellt habe. Engel sollten doch zu mindestens wissen, was auf sie zukommt. Ich aber war mitunter noch ratloser als meine Schützlinge. Wenn ich wenigstens gesagt bekommen hätte, wer mein Schützling sei. Das hätte mir die ganze Sache wesentlich leichter gemacht. Aber so ist das nun mal im Leben. Und glaubt ja nicht, dass sich das nach dem Leben ändert.

Als es um mich herum wieder hell wurde, saß ich in der U–Bahn. Toll, dachte ich. Hoffentlich hab` ich wenigstens eine Fahrkarte. Und als ob irgendwer das hätte hören können, kamen drei Schaffner herein.

Man soll nicht fluchen, und ein Engel schon gar nicht. Aber was soll man denn tun, wenn man gerade die Augen aufgemacht hat, in einer U-Bahn sitzt, merkt, dass man keine Fahrkarte hat und ausgerechnet dann die Kontrolleure kommen? Ich blickte an mir herunter. Vielleicht war ich ja wieder ein Teddy, das würde alles ein wenig einfacher machen.

Doch was ich sah, erschreckte mich.

Meine Kleidung war keine Kleidung. Ich meine, natürlich hatte ich etwas an, aber ich sah fürchterlich aus.

Ich hatte eine schwarze Cordhose an, die mindestens dreißig Löcher zählte. Eine viel zu große grüne Jacke, die ebenfalls mit zahlreichen Löchern übersät war, und aus der das Innenfutter herausguckte.

An meinen Händen trug ich Handschuhe, deren Fingerlinge abgeschnitten waren.

Ich hatte Schuhe an, die mir wohl noch nie gepasst hatten, denn meine Zehen hatten sich durch den dünnen Stoff gebohrt.

All dies war in diesem Moment sehr schlimm für mich. Doch noch schlimmer war, dass ich mich durch und durch schmutzig fühlte. UND ICH STANK! Erst in diesem Augenblick bemerkte ich, dass ich völlig alleine auf einer Seite des Abteils saß. Und das, obwohl die Bahn sehr voll war.

All die Leute hatten wohl meinen Geruchsmix aus Urin, Schmutz, Essen und Alkohol nicht ertragen. Ich selber ertrug mich ja nicht einmal.

Ich seufzte innerlich und ich fluchte. Ja, ich fluchte wirklich – und wie!

Dann kam einer der Fahrkartenkontrolleure zu mir.

Gut, was sollte ich denn erzählen? Dass ich überfallen wurde? Dass man mir die Fahrkarte weggenommen hatte? Ich versuchte es und öffnete den Mund zum Sprechen, doch es kam nichts aus diesem als Spucke, die meinem Gegenüber ins Gesicht spritzte. Meine Zunge war eigenartig schwer. Man könnte es mit einer Betäubungsspritze beim Zahnarzt vergleichen. Nur, dass ich nicht ein Wort zustande brachte. Angewidert gingen die Männer, nachdem sie meinen Atem gerochen hatten, einen Schritt zurück.

Als ich meinen Freunden erzählte, dass ich ein Buch über einen Engel schreibe, haben diese mich mit großen Augen angesehen. Die meisten haben sogar an einen Scherz gedacht.

Jemand, der seit Jahren nicht mehr in der Kirche war. Jemand, der längst vergessen hatte, dass es so etwas wie Wunder gibt. Eigentlich konnte ich das nicht „vergessen“ nennen. Denn vergessen hatte ich es nicht. Ich hatte es einfach nicht wirklich erlebt, jedenfalls nicht bewusst.

Auch wenn viele sich an den Kopf fassen, wenn ich es erzähle … auch wenn man es nicht glauben kann: Ich habe ein Wunder erlebt! Und nachdem ich dieses bewusst wahrgenommen habe, ist mir mehr und mehr bewusst geworden, dass nicht nur ein Engel am Werk gewesen sein muss – es müssen, im Laufe meines bisherigen Lebens, etliche gewesen …

Kurze Geschichten aus dem Alltag. Kleine Wunder, die wir gar nicht mehr sehen. Auch wenn für uns vieles nicht verständlich ist, so passt es am Ende alles wie ein Puzzle zusammen.

Die Presse hat mich Anfang des Jahres besucht

Die Flyer sind da. Nach langem hin und her, habe ich nun endlich meine Flyer erhalten:

 

 

Diese werde ich dann in den nächsten Tagen austeilen lassen 🙂

 

Danke hierzu nochmal für die wertvollen Tipps aus meiner facebook Gruppe.

Liebe Buchhändler, gerne schicke ich Ihnen mein Buch zu einem fairen Rabatt. Kein Zwischenhändler! Anruf, Fax oder Mail genügt.

Prolog

Wenn ein Teil der Seele getötet wird, ist man dann seelenlos? Kann man eigentlich eine Seele töten und gleichzeitig leben? Kann man Gut und Böse trennen? Benjamin saß auf einem Hügel. Zwischen seinen Fingern rieb er einen getrockneten Grashalm.

Er starrte in die Ferne, wo er die Silhouette eines Mädchens auf einem Pferd erkannte; Svenja. Sie wollte ein letztes Mal auf Seelenheil, das wohl ungewöhnlichste Pferd, das Benjamin je gesehen hatte, ausreiten. Svenja wollte sich von dieser Welt, in der sie die letzten Wochen verbracht hatten, verabschieden. Benjamin hatte den Augenblick genutzt, um sich zurück zu ziehen, und um ein wenig nachzudenken. Wie lange waren sie nun schon hier? Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Zumal er die meiste Zeit ihrer Anwesenheit in dieser Welt bewusstlos war, und ein Teil von ihm die Herrschaft dieser sonderbaren Welt an sich gerissen hatte. Bei dem Gedanken daran, schüttelte Benjamin den Kopf. Fast hätte er über sich gelacht. Weltherrschaft… ER?! Alles was er immer wollte, war bei Svenja zu sein. Svenja, die nun so viele neue Freunde hatte. Freunde, die schon lange das zeitliche gesegnet hatten, Freunde, die sie bald wieder verlieren würde, sobald sie diese Welt verließen. Er stand auf und verzog schmerzhaft das Gesicht. So ganz waren die Spuren seiner bewusstlosen Gefangenschaft noch nicht verschwunden. Wie mochte sich Svenja da nur fühlen? Sie hatte immerhin einen Krieg angeführt. Einen Krieg gegen ihn. Benjamin biss sich auf die Lippen. Es war doch kein Krieg gegen ihn, fuhr er sich gedanklich an. Es war ein Krieg gegen das Böse. Das Böse was Svenja, gemeinsam mit ihren neuen Freunden, besiegt hatten. Gerade wollte er seiner Freundin entgegen eilen, da war Leo schneller. Schwungvoll hob er sie vom Pferd und schloss sie in die Arme. Normalerweise hätte ihn ein solcher Anblick geschmerzt; Svenja in den Armen eines Anderen. Aber abgesehen davon, dass Leo kein wirklicher Konkurrent war, da er glücklich in Tamina verliebt und zudem seit Hunderten von Jahren tot war, störte es ihn nicht. Irgendetwas in seinem Inneren hatte sich verändert. Etwas, was er aber weder beschreiben, noch verstehen konnte. Benjamin wollte sich über Svenjas Rückkehr freuen. Sie mit seiner gewohnten Heiterkeit begrüßen, doch er spürte keine Heiterkeit. Er spürte auch keine Freude; und er spürte keine Liebe für Svenja. Ja, natürlich er „mochte“ sie. Doch er mochte auch Amira, Leo und die anderen. All dies war oberflächlich. Seit er aufgewacht war, suchte er vergeblich nach einem intensiven Gefühl. Einen Impuls, der ihm signalisierte, dass er noch lebte. So sehr er sich auch bemühte; die erhoffte Gefühlsregung trat nicht ein. Benjamin legte eine Hand auf sein gleichmäßig schlagendes Herz. Er lebte, auch wenn seine Seele ihn offenbar verlassen hatte.

Als ich damals meine kleine Geschichte von Svenja schrieb, habe ich nicht im Traum daran gedacht, was man alle beachten muss, sollte es einmal als Buch heraus kommen. Von jedem Buch muss man zwei Exemplare an die deutsche Nationalbibliothek schicken. Einmal nach Frankfurt und einmal nach Leipzig. Und das auf eigene Kosten. Natürlich ehrt es mich, dass meine Bücher in einer solchen Bibliothek stehen. ..

So habe ich also gestern gegen 22:30 Uhr zwei Büchersendungen fertig gemacht und es an die jeweiligen Empfänger geschickt. Wer also einen Spaziergang durch Frankfurt oder durch Leipzig macht und einmal einen Blick in mein Buch werfen will, der kann das in den deutschen Nationalbibliotheken tun.